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Ein Familienhaus

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Das schlanke Gebäude mit dem flachen Satteldach streckt sich von Ost nach West und steht traufseitig in zweiter Reihe zur kaum befahrenen Straße. Auf der langen Rückseite bilden zwei Carports mit vorgezogenem Dach eine intime Eingangssituation für drei Haustüren, während die Wohnräume mit raumhohen Verglasungen nach Süden ausgerichtet sind. Am davor liegenden Garten ist eine Zweiteilung deutlich sichtbar. Rechts eine voll möblierte Terrasse mit Betonsteinen, Kinderspielzeug, Gartenzaun, links komfortable Liegen auf verwittertem Lärchenholz, vom Rasen nur durch Blumentröge abgegrenzt.

Im Obergeschoß läuft der Balkon über die ganze Länge und schützt die Terrassen. Er ist seitlich geschlossen und liegt vollständig unter dem Dachüberstand, so kann die Sommersonne keine Innenräume aufheizen. In der einen Hälfte ist der Balkon einem Wohnraum vorgelagert, in der anderen gleich drei Schlaf- und Kinderzimmern. Links wohnen zwei Brüder, zwei Junggesellen. Der eine zur Miete im oberen Geschoß, er wird bald ausziehen. Der zweite im Erdgeschoß, ihm gehört das Haus gemeinsam mit dem dritten, dem jüngsten Bruder, dessen Frau und vier Kindern, die die andere Hälfte beleben.

Als die Mutter ein ererbtes Stück Bauland gleich an ihre Söhne weitergab, nahmen zwei von ihnen die Chance auf „etwas Eigenes“ wahr und bildeten eine Bauherrengemeinschaft. Extravaganzen konnten und wollten sie sich nicht leisten. In der Planung half ihnen ihr Onkel, der Architekt ist, die Räume auf das Nötigste zu reduzieren und dennoch großzügige Situationen zu schaffen. Schiebetüren, offene Küchen und vor allem die Flure, die mehr als eine Funktion haben oder gleich ganz entfallen, tragen dazu bei. Auch durch die konstruktive Trennung von warmen und kalten Räumen konnte gespart werden: Unterkellert ist nicht das Wohnhaus, sondern beide Carports. Die Kommunikation zwischen Bauherren und Architekten war konzis, man verstand einander rasch und vertrauensvoll.

Generalunternehmer war ein weiterer Onkel, der Zimmermann ist. Der Holzständerbau wurde mit Fertigelementen errichtet und außen mit Lärchenholz verkleidet, gedämmt haben die späteren Bewohner eigenhändig. Im Innenausbau kam der Vater der Frau zum Zug. Er verputzte die weißen Wände der Familienwohnung und brachte auch den feinen Lehmputz in Schlafzimmer und Bad an. Der gefiel dem älteren Bruder so gut, dass er ihn für sein Schlafzimmer übernahm, überall sonst ist sein Bereich mit Weißtanne ausgekleidet.

Die beiden Zweizimmerwohnungen können ohne viel Aufwand zu einer verbunden werden, denn gleich nach den Eingängen trennt sie nur eine leichte Holzständerwand. Unten bietet ein Schrank viel Stauraum vor Schlafzimmer und Bad, in ihn ist eine Stahlstütze integriert, die die Last unter dem First abträgt. Die Südhälfte gehört ganz dem Wohnraum mit offener Küche und Essplatz. Er ist auch an der westlichen Stirnseite verglast, eine schöne Aussicht.

Im Obergeschoß kommt man mit Blick auf den Balkon an. Die Küche liegt rückwärts ums Eck im Norden, der Hauptraum dient auch der Erschließung von Zimmer und Bad. Dieser reduzierte Grundriss lässt einige Möglichkeiten für die Differenzierung in einzelne Räume offen. Vielleicht zieht vorläufig eine Nichte ein? Dann wäre gewissermaßen die andere Hälfte erweitert. Dort wurde nämlich für fünf geplant. Inzwischen bereichert ein weiterer Sohn die Familie und es kann eng werden in den drei Kinderzimmern im Obergeschoß.

Im Erdgeschoß dieser Haushälfte ist die Küche mit Kochinsel ein Schmuckstück, das Juwel ist aber der Wirtschaftsraum. Wer hat ihn erfunden? Wir beugen uns über die Pläne. Da steht „Arbeiten“. Ein Büro, das fast ein Viertel der Grundfläche einnimmt? Aber nein, die Waschmaschinen waren schon eingezeichnet, der Zweck stand von Anfang fest. Durch das Ostfenster kann man sehen, wer kommt, und bei offenen Türen entsteht eine herrliche Rennstrecke; Vorzimmer, Wirtschaftsraum, scharf einbiegen in die Küche, am Esstisch vorbei und wieder ins Vorzimmer …

Vielleicht deshalb haben die Eheleute nachträglich eine halbhohe Lehmwand einziehen lassen, die den Wohnbereich abschirmt und einen Kamin einfasst. Dafür darf der Ausbau des zweiten Badezimmers noch etwas warten. Im Keller sind die beiden Hälften ein weiteres Mal verbunden. Hier bestückt der ältere Bruder nach der Arbeit die Heizung – für alle.

Daten & Fakten

Objekt Haus Fröwis, Haus mit drei Wohneinheiten, Bezau Bauherren Robert und Christine Fröwis, Anton Fröwis Architektur: Architekten Hermann Kaufmann ZT GmbH www.hermann-kaufmann.at, Projektleitung: DI Thomas Fußenegger; Mitarbeit: DI Roland Wehinger, Jakob Fink Gerneralunternehmer Kaufmann Zimmerei und Tischlerei, Reuthe Bauleitung Haller Baumanagement, Mellau Planung 7/2010–8/2011 Ausführung 8/2011–3/2012 Grundstückfläche 1183 m² Nutzfläche 268 m² Keller 117 m² Bauweise: Ständerbau mit 29 cm Dämmung; Fassade Lärchenschalung; Decken Holz-Beton Verbund und Holzdecken; Carport Riegelwerk; Keller offen und ungedämmt Besonderheiten: Hoher Anteil Eigenleistung; 2 oder 3 Parteien möglich Ausführung: Baumeister: Metzler Bau, Schwarzenberg; Zimmerer und Möbel: Kaufmann, Reuthe; Innenausbau: Helmut Kalb Verputz, Dornbirn, Reuthe; Elektro: Fidel Meusburger, Bezau; Heizung: Martin Fink, Bezau; Böden: Fröwis, Bezau Energiekennwert 34 kWh/m² im Jahr (HWB) Baukosten ca. 550.000 Euro

Leben & Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich: vai Vorarlberger Architektur Institut Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

Quelle: http://www.vol.at/ein-familienhaus-2/5371226

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