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Hubert Rhomberg Interview

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„Die einfache Antwort lautet: Holz“

Green Economy. Leistbares Wohnen und Nachhaltigkeit ist kein Gegensatz, sagt Hubert Rhomberg von der Baufirma Rhomberg. Er fordert mehr Holzbau und einen Fokus auf Lebenszykluskosten. Hubert Rhomberg ist CEO der Rhomberg Gruppe und Geschäftsführer von Rhomberg Bau. Er ist einer von zahlreichen internationalen Topreferenten, die bei den erstmals stattfindenden Vienna Strategy Days von WirtschaftsBlatt und IMP (Innovative Management Partners) am 6. Mai 2014 in Wien sprechen werden. Das Symposium steht unter dem Motto „Wachstumslogiken der Zukunft: Wir wachsen, also sind wir?“Zielgruppe sind Top-Entscheider, die mit namhaften Experten zu aktuellen Themen diskutieren wollen.

Das WirtschaftsBlatt Vorarlberg hat sich mit Herrn Hubert Rhomberg zum Interview getroffen:

WirtschaftsBlatt: Alle reden von leistbarem Wohnen. Wird nicht der Aspekt der Nachhaltigkeit vernachlässigt? Nur weil etwas für den Einzelnen leistbar ist, kann es für die Allgemeinheit teuer werden, wenn die Nachhaltigkeit nicht stimmt.


Hubert Rhomberg, CEO Rhomberg Group: Nein, „leistbares Wohnen“ und „Nachhaltigkeit“ müssen keine Gegensätze sein. Es kommt vielmehr darauf an, günstige und gleichzeitig nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Wenn Sie beispielsweise gut isolierte und wärmegedämmte Gebäude errichten, dann hilft das dem Einzelnen genauso wie der Gemeinschaft und der Umwelt: Der Einzelne spart Heizkosten, die Umwelt Ressourcen. Solche Beispiele gibt es viele.

Welche Faktoren sind beim Thema Nachhaltigkeit am wichtigsten? Geht es nur um die Ökologie, oder auch um die Wirtschaftlichkeit, wie spielen „Soft Facts“ wie soziale Faktoren oder das Thema Behaglichkeit hinein?



Rhomberg: Ich bin Unternehmer und Anhänger der Marktwirtschaft: Gute Nachhaltigkeit muss immer auch wirtschaftlich vertretbar sein. Allerdings muss auch Kostenwahrheit herrschen, sonst versagt der Markt. Für den Baubereich bedeutet das dann im Idealfall, dass eine nachhaltige Lösung so gut ist, dass sie sich verkauft und nachgeahmt wird. Mit unseren System-Konzepten verfolgen wir dieses Ziel.

Wie wird das Haus der Zukunft aussehen? Wie können Trends wie Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten, wechselnde familiäre Situationen usw. bei Wohn- und Gewerbeimmobilien berücksichtigt werden?



Rhomberg: Eines ist klar: So wie bislang können wir nicht weitermachen. Immerhin sind wir als Bauunternehmen in der Branche tätig, die die meisten Ressourcen verbraucht und die Umwelt am stärksten strapaziert. Hier sind intelligente Lösungen wie Less-Tech und der verstärkte Einsatz von nachhaltigen Baustoffen gefragt.
Das Cree Holz-Hybrid-System ist Ergebnis der Rückbesinnung auf den bewährten Holzbau. Der einzig nachwachsende und auf allen Kontinenten verfügbare Baustoff Holz kommt mit seinen positiven Eigenschaften (gute Dämmung und Wärmespeicherung, geringes Gewicht im Verhältnis zum Volumen, hohe Festigkeit, 100-prozentige Recyclingfähigkeit) dem großvolumigen Bau zugute. Neu im Geschoss- bzw. Hochbau ist die Verwendung von massiven Holzbauteilen als tragende, ungekapselte Elemente und der hohe Vorfertigungsgrad. Das Konzept ist die Antwort auf die Frage, ob Hochhäuser und Industriegebäude auch aus dem nachhaltigen Baustoff Holz errichtet werden können, und damit die zukunftsweisende Lösung für die unterschiedlichsten Lebenskonzepte. Übrigens: Das System lässt sich für Wohn- ebenso wie für Bürogebäude umsetzen.

Welche Rohstoffe sollten verstärkt zum Einsatz kommen?



Rhomberg: Die ganz einfache Antwort lautet: Holz. Es wächst täglich mehr nach als wie wir verbrauchen. Es ergibt doch keinen Sinn, den Rohstoff Holz nur für die Wärmegewinnung zu verwenden. Warum nicht zuerst in der Baubranche verwenden, in 100 Jahren -nach der Rückgewinnung- verbrennen? Daher wird Holz zunehmen, und die anderen Stoffe nach wie vor, aber weniger gebraucht.

Nicht nur beim Energieverbrauch, auch beim Thema Abfall ist die Bauwirtschaft für beinahe die Hälfte des Aufkommens verantwortlich. Wie kann man das Abfallaufkommen reduzieren? Welchen Stellenwert hat Recycling für die Branche?



Rhomberg: Sie können gerne auch noch die Transportleistung mit dazu nehmen: Hier entfallen sogar 60 Prozent auf den Bausektor. Entsprechend ist es unser ureigenstes Interesse, den Rohstoffeinsatz, die Transportwege und den Abfall zu reduzieren. Unsere Lösung lautet: Ganzheitlichkeit. Rhomberg ist in allen Bereichen der Wertschöpfungskette aktiv und achtet bereits bei der Planung und Projektentwicklung auch auf die spätere Nutzungsmöglichkeiten und den eventuellen Rückbau seiner Projekte.

Viele Menschen errichten Niedrigenergie-Häuser im Grünen und benutzen dann täglich das Auto, um in die Arbeit in der Stadt zu pendeln. Wie ist diesem Problem beizukommen?

Rhomberg: Mobilität ist ein ganz wichtiges Thema – und wird es auch bleiben. Auch hier sind innovative Lösungen gefragt, die unseren Planeten nicht unnötig ausbeuten und schädigen. In Vorarlberg gibt es beispielsweise unser ambitioniertes Konzept der „Ringstraßenbahn Unteres Rheintal“, mit dem wir eine gut ausgebaute und funktionierende Infrastruktur schaffen wollen. Unter Gesamt-Energiebilanz verstehen wir Mobilität, Rohstoffe, Infrastruktur und Energie zusammen.
Insgesamt ist der Trend aber ein anderer: In weniger als 40 Jahren werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Und noch mehr werden voraussichtlich in den Metropolen arbeiten. Die urbane Verdichtung müssen wir also gar nicht forcieren, die kommt auch so. Wir
müssen allerdings mit intelligenten Lösungen das Wohnen und Leben im Einklang mit der Natur und mit einem verantwortungsvollen Umgang globaler Ressourcen auch mitten in der Stadt ermöglichen. Und wieder bin ich bei unserem Cree Holz-Hybrid-System.

Wie ist bei der Wohnbauförderung vorzugehen? Ist der Heizwärmebedarf als Kennzahl ausreichend? Sollte die Förderung nicht den Gesamtenergiebedarf oder sogar die Lebenszykluskosten berücksichtigen?

Rhomberg: Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Am nachhaltigsten ist es sicherlich, den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes – von der Gewinnung der Rohstoffe bis hin zu Nachnutzung und das dadurch ausgelöste Mobilitätsverhalten – als Berechnungsgrundlage heranzuziehen. Der „ökologische Rucksack“ von Professor Schmidt-Bleek, der auch Rhomberg vor mittlerweile mehr als zehn Jahren inspiriert hat, könnte hierfür herangezogen werden.

Ab 2020 dürfen EU-weit nur Niedrigstenergiehäuser errichtet werden. Wie ist Österreich darauf vorbereitet?



Rhomberg: Wir sind auf einem guten Weg – sowohl Österreich weit als auch speziell wir bei Rhomberg. Es gibt
allerdings noch viel Potenzial.

Wie zeitgemäß sind die Bauordnungen in Österreich? Sollte es nicht eine einzige geben, wie sollte diese aussehen?



Rhomberg: Die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen im Baubereich müssen auf den Prüfstand gestellt werden. Von „der einzigen Ordnung“ halte ich allerdings nicht viel. Dazu sind die Voraussetzungen einfach zu verschieden. Dennoch ist zu hinterfragen inwieweit heute jede einzelne Kleingemeinde in Sachen Bauordnung und Genehmigungen die jeweilige Kompetenz besitzt. Eine gewisse Bündelung von Entscheidungen auf Landesebene macht Sinn. Außerdem ist die Frage, wie viel Vorarlberg am Ende tatsächlich in der österreichweiten Bauordnung steckt: Mit
gerade einmal vier Prozent Bevölkerungsanteil sehe ich dafür keine allzu großen Chancen. Aber auch auf Länderebene können wir ja aktiv werden. Bei uns im Ländle setzen sich Bauwirtschaft und Politik zusammen und entwickeln gemeinsam zukunftsfähige Lösungen.
Insbesondere beim Abbau von Behördenauflagen und bei der Vereinfachung der Genehmigungsverfahren gibt es dringenden Handlungsbedarf. Wir jedenfalls stehen dazu immer zur Verfügung.

Weitere Informationen und Anmeldung zum Wachstumssymposium Wien im Internet unter:www.imp.at/wachstumssymposium-wien

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