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Schichtwerk

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Im dicht bebauten Siedlungsgebiet von Feldkirch hat sich Familie Benz an den Umbau des elterlichen Hauses gewagt und trotz Beibehaltung zentraler Strukturen ein völlig neues Wohngefüge geschaffen. Gehüllt in dunkles Schichtgestein und aufgeteilt in zwei Wohneinheiten bietet das neue Haus Wohnraum für drei Generationen unter einem Dach.

Gehüllt in Schiefer steht der kompakte Baukörper in Mitten einer dichten Siedlungsbebauung in Feldkirch-Altenstadt. Einfamilienhäuser mit kleinen Gärten, Reihenhäuser und Wohnanlagen wechseln sich auf engstem Raum ab. Bauherr Andreas Benz kennt die Gegend auch noch anders. „In den vergangenen Jahren wurde hier viel gebaut. Wir leben schon lange in diesem Haus, meine Eltern haben es in den 1960er-Jahren errichtet und wir haben es seither mehrfach adaptiert, umgebaut, Zubauten errichtet.“ Letztere entstanden in den 1990ern, immer kurzfristig, und hatten ihren Ausgangspunkt im erhöhten Platzbedarf durch Familiengründung. „Wir haben das Obergeschoß bewohnt, meine Mutter das Erdgeschoß, ein kleinerer Zubau entstand als die Kinder kamen.“

Mit der Notwendigkeit einer Sanierung und dem Wunsch nach zeitgemäßem und durchgängigem, vor allem aber mehr Wohnraum, suchten die Bauherren einen Ansprechpartner und fanden diesen in Architekt Wolfgang Schmieder von Fischer Schmieder Architekten. „Schon der erste Entwurf war so, wie wir uns unser Haus gewünscht haben. Wir konnten uns mit dem Umbau gleich mehrere Wohnträume erfüllen.“ Im Bereich des Erdgeschoßes blieben die Wohnräume der Bauherren-Mutter unverändert. „Das war eine Grundbedingung für den Umbau. Diese Wohneinheit sollte auch während es gesamten Umbaus weiter bewohnt werden können.“ Erhalten blieb auch ein bestehender Anbau, der renoviert und als Kontrast zur sonst dunklen Fassade weiß gestrichen wurde. Das Haus wurde flach überdacht und ein neuer eingeschoßiger Baukörper dem bestehenden zweigeschoßigen Gebäude angedockt. „Ziel war es, eine gestalterische Einheit von Alt- und Neubau zu erreichen“, umschreibt Wolfgang Schmieder die Bauaufgabe. Erreicht wurde dies u.a. durch eine Fassadenklammer aus dunklen Schieferplatten. Die Eingänge wurden mit Überdachungen und einer seitlichen Klammer aus Beton gefasst und mit hellen Eingangstüren kombiniert.

Das Gebäude, das über zwei separate Eingänge verfügt, öffnet sich nach Osten zu einer Terrasse mit Pool und kleiner Gartenfläche. Im lichtdurchfluteten Innenraum trennt ein Stampflehm- Heizkamin mit großem Sichtfenster den Koch- Essbereich vom Wohnbereich. Bestimmendes gestalterisches Element ist die Sichtbetondecke im drei Meter hohen Raum, die elegant und schlicht den Raum trotz unterschiedlicher Zonen als Ganzes fasst. Das Obergeschoß beherbergt die Schlafräume der Familie – zwei für die jugendlichen Söhne mit eigenem Bad, einer für die Eltern, ebenso mit eigenem Bad und Ankleideraum. Ergänzt wird das Wohnprogramm durch zwei Arbeitsräume. Auch hier zieht sich die Schlichtheit bei Materialien und Gestaltung durch. Die Böden sind durchgängig in dunklem Räuchereichenparkett verlegt, die Wände weiß.

„Uns war ein großer, heller Wohnraum wichtig.“ Weit kann der Blick zwar nicht schweifen – Nachbars Gärten sind sehr nahe. Dennoch verfügt das Gebäude trotz der kleinteiligen Struktur des Außenraumes über schöne Blickachsen hinaus ins Grüne. Die Hauptfensterflächen sind auf die Terrassen und zum Pool hin orientiert. Zwei Sitzbereiche werden abwechselnd genützt, je nach Wind- und Wetterverhältnissen. Großzügig sind auch die Schlaf- und Sanitärbereiche im Obergeschoß, die sich Eltern und Kinder teilen. Auf insgesamt 190 m2 Wohnfläche hat sich Familie Benz nach nur neunmonatiger Umbauphase neu eingerichtet und den bestehenden Bau so umgestaltet, dass er – da von der Grundsubstanz erhaltenswert – nun auch den ästhetischen Bedürfnissen der Bauherren entsprechen kann. Daten & Fakten

Objekt: Haus Benz, Umbau und Sanierung, Feldkirch 
Bauherren: Verena und Andreas Benz Architektur: Fischer Schmieder Architekten, Wolfgang Schmieder Baubeginn: Februar 2012 Fertigstellung: Oktober 2012 Bauweise: Massivbau Fassade: hinterlüftete Schieferfassade, Aluminium-Faffstores Dach: bekiestes Flachdach Decken und Wände: geglätteter Putz Fußböden: Räuchereiche-Parkett und Schiefer Heizung: Pellets, Solarkollektoren, Heizkamin Beteiligte Betriebe: Hilti & Jehle, Wolfbau, Josef Tiefenthaler, EKG Installationen, Raum und Zeit, Müller Ofenbau, Hella, Weiler Möbel, Krista Frastanz, Pool von GFE

 

Quelle: Leben & Wohnen – die Immobilienbeilage der VN. Autor: Verena Konrad. Fotos: © Norman A. Müller Für den Inhalt verantwortlich:
 vai Vorarlberger Architektur Institut
Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten.
Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

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