Daten & Fakten
Moderne trifft Tradition
Dali! Salvador Dali! Ein spontaner Gedanke, der sofort durch den Kopf geht, wenn man das Bregenzerwälderhaus von Edith und Reinhold Rinner betritt. Der Unterschied zwischen Wahrem und Unwahrem sei wie ein Diamant, wobei die Kopie wohl immer am echtesten und brillantesten wirke, war der spanische Künstler und Vertreter des Surrealismus nämlich überzeugt. Und er hatte recht.
Viele Jahrzehnte hatte der landwirtschaftliche Teil des rund 130 Jahre alten Bregenzerwälderhauses eine sinnentsprechende Bedeutung. Diente als Stall für die Schafe, als Scheune für den Leiterwagen und im „Gentar“ (Hängedecke) wurde das Bergheu gelagert. Doch als die Tiere gingen, kam der Zahn der Zeit und nagte an dem für die Region typischen Kulturgut. Bis sich die freischaff ende Künstlerin und der Direktor des BORG Egg für einen Umbau entschlossen. Und zwar nach zwei Grundsätzen: Zum einen sollte der traditionelle Charakter erhalten bleiben, zum anderen war eine harmonische Verschmelzung zwischen Altem und Neuem das Ziel. Diesem Wunsch entsprach Architekt DI Hermann Kaufmann, indem er bewusst auf die „Zweiteiligkeit“ des Gebäudes setzte. Das Wohnhaus verblieb daher in seiner äußerlichen Ursprünglichkeit erhalten. „Gehörten doch gerade die von Wind und Wetter patinierte Schindelfassade und die Fensterläden zum typischen Bauernhaus“, erklärt die 60- jährige Eggerin. Aber auch innen kam es kaum zu Veränderungen.
Einzig die Küche wurde vergrößert. Die Materialauswahl fiel zurückhaltend aus. Weiße Küchenfront, die Arbeitsplatte aus Edelstahl. Dazu Holz, viel Holz. Akzente werden bewusst mit Accessoires gesetzt. Nostalgische Vorratsdosen jedoch erinnern wieder ganz gezielt daran, wo man sich befi ndet. Eben in einem traditionellen Bregenzerwälderhaus. Die Künstlerin hat ein feines Gespür für Dekoratives. Sie spielt mit den Stilen und geizt dabei nicht an Reizen. Auch ihre eigenen Bilder, die im ganzen Haus hängen, fügen sich perfekt ins Gesamtbild ein. Dabei kann sie ihre abstrakte Handschrift gut und gerne als moderne Kunst bezeichnen. Dass die Balken, in die sich die Nägel graben, historisch sind, stört nicht. Vielleicht, weil das Gefühl eins ist. Nämlich Heimat. Das trifft für das Malen ebenso zu wie für das Elternhaus. Rinner nennt beides „ihre Heimat“.
Der ursprüngliche Stadel wurde durch einen Neubau ersetzt. Doch dieser ist geprägt vom einstigen Naturell, was durch die senkrechte Schalung deutlich unterstrichen wird. Die Südseite, auf der sich das Atelier befindet, ist mit einer raumlangen und - hohen Fensterfront versehen. Die Lamellenläden symbolisieren geschlossen von außen Stadelflair, innen sorgen sie für einzigartige Licht- und Schattenspiele. Das Atelier befindet sich im Erdgeschoss, darüber liegt die Wohnung von Edith Rinners Schwester, Marianne Lorenzi. Den Dachboden nutzen die fünf Enkelkinder als Spielzimmer.
Das Bregenzerwälderhaus der Familie Rinner ist ein Stück Kulturgut, das trotz verlorener Funktion weiterbesteht. Da kann man nur an Dali denken. Salvator Dali. Weil eben die Kopie am echtesten und brillantesten wirkt, oder?
[Quelle: vol.at]







